Ihr freundlicher Dachdecker

aus Düren

Bedachungen

Thema:  Dachbeschichtung

 

Vorsicht, Schichtarbeiter - Wie sind nachträgliche Dachbeschichtungen zu beurteilen?

Klein und verschämt am Rande- insbesondere von Regionalmessen plaziert finden sich immer wieder Stände mit Produkten zur nachträglichen Beschichtung von Dachsteinen, Dachziegeln, Faserzementplatten und sogar Naturschiefer.

Anhand kleiner Modellstände wird demonstriert wie einfach Reinigung und nachträgliche Beschichtung durchzuführen sind. Die Preise werden hierfür mit ca. 30 bis 40 DM/m² angegeben. Kokettiert wird mit dem deutschen Sauberkeitssyndrom, suggeriert wird alles Denkbare: Die

Dachflächen wirken wieder wie neu, das Eindeckmaterial hielte doppelt so lange, Beschichtungen würden einen Aufheizschutz im Sommer gwährleisten und bessere Wärmedämmeigenschaften im Winter verursachen, sogar der Schornsteinfeger könne diese Flächen weitaus besser begehen als vorher.

Tenor fast aller Aussagen: Mosse und Flechten runter, Acrylbeschichtung rauf und schon hat man Jahrzehntelang Ruhe. Für die Beschichtungen werden eine Gewährleistung zwischen 2 und 3 Jahren übernommen. Die kleinen Messestände sind nur Spitzen eines Eisbergs. Längst sind

Drückerkolonnen, die das Blaue vom Himmel versprechen, unterwegs und

streichen die Dachlandschaften an. Bürgermeister kleiner Gemeinden lassen sich freudig vor den Werbekarren spannen und verstärken einen z.Zt. deutlich erkennbaren Trend: Die Bewerbung des Pflegeleichten verschiebt sich deutlich wahrnehmbar vom Waschmittelbereich in den

allgemeinen Baubereich und suggeriert das wartungsfreie, auf Dauer beständige Bauwerk, siehe auch andere sogenannte Selbstreinigungkräfte von Materialien. Eine große Bausparkasse teilt in ihrem Infodienst mit, dass Wärmedämmverbund- systeme die mit entsprechenden Beschichtungen

selbstreinigend und wasserabhaltend wirken, dennoch diffusionsoffen sind. Wir kennen diese Aussagen auch aus früheren Zeiten im Zusammenhang mit Fassadenanstrichen, die beim zweiten Anstrich die "Rolle rückwärts" machten, weil sie eben nicht mehr dampfdiffusionsoffen waren. Wie lange noch lassen wir uns solche Versprechen bieten angesichts verpilzter Häuser, Kumulierung von Wohngiften und Zunahme von allergenen Syndromen?

 

Ganz abgesehen davon, dass die Apologeten der nachträglichen Beschichtung nicht in der Lage sind zwischen Dachziegeln und anderen Eindeckmaterialien zu unterscheiden, stellen wir uns einmal die Beschichtungsarbeitsgänge, durch "Fach- personal" auf dem Dach ausgeführt, vor: Die Dachfläche wird gereinigt. Ob hier Dampfdruck oder Wasserdruck eingesetzt wird ist nachrangig. Bedeutend ist, daß bei verfalzten Eindeckstoffen und auch im Überdeckungsbereich weiterhin

Substrate verbleiben. Diese wären nur im Falle einer Umdeckung, also bei Freilage des Ziegels, entfernbar. Die Beschichtung wird aufgebracht - besser gesagt, eine wässrige Farbe wird in der Regel aufgespritzt oder aufgepinselt. Die meisten nachträglichen Beschichtungsmassen werden aus Acrylaten hergestellt. Schon nach einem Jahr sind erfahrungsgemäß im Bereich der Verfalzungen Ablösungen des Farbauftrags sichtbar, bewirkt durch den fehlenden Kontakt des Anstriches mit dem Untergrund. Der Substrateinschluß ist hierfür die Ursache, weitere Ursachen sind: Filmabrisse in der Beschichtung im Fugenbereich, Eindringen von Feuchte

über die Kapillare (Unterseite des Ziegels) und Feuchteeinwirkungen über sonstige unverschlossene Bereiche. Diese eingedrungene Feuchte wirkt gewissermaßen als Trennschicht zwischen Trägermaterial und Beschichtung. Die Beschichtung löst sich vom Trägermaterial zunächst in Blasenform, später in größeren Filmteilen. Auch die zugesicherte Farbechtheit kann

nicht eingehalten werden. Nachträgliche Acrylbeschichtungen können nicht

auf Dauer UV-beständig sein. Die Verblassungseffekte stellen sich schon

nach kurzer Zeit (1 - 2 Jahre) ein.

Eine weitere Oberflächenzerstörung der Beschichtung erfolgt im Laufe der Zeit durch Bakterien, die sich überall dort einnisten, wo Aufplatzungen vorausgegangen sind. Abschließend muß nach festgestellt werden, dass häufig durch Reinigungsvorgänge und der damit verbundenen Dachbegehung verborgenen Schäden verursacht werden können, deren Auswirkungen erst später festzustellen sind und für die dann niemand herangezogen werden kann.

Fazit:  Nachträgliche Beschichtungen sind im Zusammenhang mit den  keramischen Eigenschaften des Dachziegels als überflüssig und sogar schädlich einzustufen. Schädlich deshalb, weil die vom Hersteller zugesicherte Frostbeständigkeit des Dachziegels durch Veränderung der Kapillarsituation und Störung des Feuchteaustauschs nicht mehr

gewährleistet werden kann. Darüber hinaus verunglimpfen die stumpfen oder durch Umwelteinfluß stumpf werdenden Farben die Ästhetik des Ziegeldaches. Beschichtungen sind zudem als nicht nachhaltig dauerhaft einzustufen, da sie in der Regel die zugesicherten Gewährleistungsphasen kaum überdauern.

Bei den werblichen Versprechungen ist äusserste Skepsis

geboten.

 

1. Nachträgliche Beschichtungen, z. B. auf der Basis von Acrylaten, können die keramischen Eigenschaften des Dachziegels negativ beeinflussen, bespielsweise Abtrocknungsverhalten, Frostbeständigkeit. Kleiner nachträgliche Farbaufträge z. B. an Schnittkanten etc. sind

hiervon ausgenommen.

 

2. Die UV-Beständigkeit von nachträglichen Beschichtungen ist im

Regelfall nicht nachgewiesen.

 

3. Verbesserung der Lebensdauer, des Wärmeschutzes etc. sind reine

Behauptungen.

 

4. Nachträgliche Beschichtungen führen zu stumpfwirkenden  Erscheinungsbildern der eingedeckten Fläche.

 

5. Die Farbechtheit wird angezweifelt.

 

6. Die werblichen Aussagen entsprechender Produkte sind nicht

nachvollziehbar und zum Teil ohne Nachweis.

 

7. Prüfzeugnisse oder Produktdatenblätter liegen entweder nicht vor oder enthalten Behauptungen sich nicht korrekt.

 

8. Nachträgliche Beschichtungen werden häufig von Drückerkolonnen

aufgebracht die von der Gewährleistung her nicht in  Anspruch genommen werden können.

 

9. Reinigungsvorgänge auf dem Dach führen erfahrungsgemäß zu mehr

Schäden als sich dies je durch Grünbildung einstellen würden.

 

10. Auf Dachziegeln haben nachträgliche Beschichtungen nichts zu suchen!

 

Quelle: Arbeitsgemeinschaft Ziegeldach e.V., Schaumburg-Lippe-Str. 4,

53113 Bonn

 

Richard Jacobs - Weberstr. 22 - 52349 Düren

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